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Nationalparke zählen Huftiere

Bundesweites Wildtier-Monitoring liefert erste Ergebnisse und startet direkt wieder in die zweite Runde

354 Rothirsche, 246 Rehe und 210 Wildschweine*: So viele Tiere zählten Wissenschaftler am Nationalpark Hunsrück-Hochwald im Rahmen eines ersten bundesweit standardisierten Monitorings der Wildtierpopulationen. Für das Monitoring waren von 2019 bis 2020 insgesamt 60 Fotofallen, automatische Wildtierkameras, für ein Jahr lang auf der Fläche des Nationalparks aufgebaut worden.

An dem bundesweiten Projekt nahmen auch die Nationalparke Berchtesgaden, Eifel, Hainich, Harz, Hunsrück-Hochwald, Kellerwald-Edersee, Müritz, Bayrischer Wald und Schwarzwald sowie das Wildnisgebiet Königsbrücker Heide teil. Für ihre Berechnungen werteten die Wissenschaftler über 90.000 Bilder aus und ermittelten anschließend die Populationsdichten mit statistischen Modellen.

Monitoring als Grundlage für Bestandsmanagement
Das Fotofallen-Monitoring ist Teil eines kürzlich abgeschlossenen Forschungs- und Entwicklungsvorhabens, das durch das Bundesamt für Naturschutz gefördert wurde. Es soll ein Monitoring für die Huftierpopulationen und deren Einfluss auf die Umwelt entwickeln. Damit soll in Zukunft möglich sein, schutzgebietsübergreifend Zusammenhänge zwischen den Populationsgrößen und der Wirkung der Huftiere auf ihr Ökosystem zu erkennen. Nur so kann ein sinnvolles Management der Bestände von Rothirsch, Reh und Wildschwein erfolgen.

„Das Monitoring der Huftierpopulationen ist ein entscheidender Teil des Managementprozesses in Schutzgebieten, da es wichtige Daten zur Entwicklung der Wildtierbestände liefert und als Grundlage, Rechtfertigung und Erfolgskontrolle für die Regulierung der Wildtierbestände dient“, sagt Anja Schneider, zuständig für das Wildtier-Monitoring im Nationalpark Hunsrück-Hochwald.

Zweite Projektphase startet
Nachdem die ersten Daten ausgewertet wurden, planen die Nationalparke bereits eine Fortführung des Projekts, um Entwicklungen der Wildtierbestände im Vergleich zum Stand der ersten Phase nachvollziehen zu können. Dabei sollen auch die Auswirkungen der sich ausbreitenden Wolfpopulationen auf die Huftierpopulationen untersucht werden. „Seit dem 1. Juni sind bundesweit wieder 782 Fotofallen in 11 Nationalparken im Einsatz, um die Bestände von Hirschen, Rehen und Wildschweinen zu erfassen“, erklärt Anja Schneider.

Begleitet wird das Projekt außerdem durch drei weitere Untersuchungsgebiete in Deutschland, der Schweiz und Rumänien, wobei insgesamt 1.159 Fotofallen zum Einsatz kommen. Im Nationalpark Hunsrück-Hochwald liefern seit dem 1. Juni 2023 wieder insgesamt 70 Fotofallen wichtige Daten über die Entwicklung der Huftierpopulationen. In einem Jahr können die Wissenschaftler dann sagen, ob die Bestände im Vergleich zu der ersten Aufnahme zu oder abgenommen haben.

Datenschutz bei Aufnahme von Menschen
Um den Schutz personenbezogener Daten der zufällig und abseits der Wege verteilten Kamerafallen müssen sich Nationalpark-Besucher währenddessen keine Sorgen machen, denn die aufgenommenen Fotofallenbilder werden bei der Klassifizierung auch gleichzeitig automatisiert anonymisiert. Ein speziell entwickelter Algorithmus sorgt bei der Klassifizierung der Bilder dafür, dass Bilder von Menschen verpixelt werden, bevor sie ein Mitarbeiter zu Gesicht bekommt.

* im beispielhaften Zähl-Zeitraum: Juli bis September 2020

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Aufnahme Wildtierkamera Reh nlphh.de 

Abdruck kostenfrei im Rahmen einer Berichterstattung über den Nationalpark und Angabe der Bildquelle.