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Bambi oder Bäumchenfresser – Das Reh!

Die Nationalpark-Akademie im Oktober lockte rund 70 Zuhörerinnen und Zuhörer zu einem sehr spannenden und interessanten Vortrag der Wildtierbiologin und Dozentin für Jagdlehre & Wildtiermanagement, Dr. rer. nat. Martina Hudler von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf ins Nationalpark-Tor Erbeskopf.

Nach einer Begrüßung durch Amtsleiter Dr. Harald Egidi eröffnete Dr. Hudler ihren Vortrag mit erstaunlichen, wenig bekannten Fakten zum Reh. So lebt es aufgrund seiner hohen Anpassungsfähigkeit bereits seit 20 Millionen Jahren auf der Erde. U. a. hat es die Fähigkeit entwickelt, wenn es kalt ist und die Nahrung wenig Energie liefert, seinen Stoffwechsel herunterzufahren und seine Organe zu verkleinern. In mageren Zeiten, erläuterte Hudler, nutzt das Reh sogar seine eigenen, recycelten Darmbakterien als wertvolle Proteinquelle. Auch Pflanzen, die für andere Grasfresser unverträglich sind, wie Eibe oder Ruprechtskraut, verdaut das Reh ohne Probleme, dank seiner sehr großen Speicheldrüsen, mit denen es sekundäre Pflanzenstoffe neutralisieren kann.

Und zu seinem Ruf als Bäumchenfresser? Dr. Hudler nannte drei Hauptursachen für den Rehverbiss: zu viele Rehe, eine falsch angesteuerte Raum-Zeit-Achse, also zu viele Tiere zur falschen Zeit am falschen Ort, und gestresste oder hungrige Tiere, die mehr fressen als normalerweise. Auf alle drei Faktoren habe man Einfluss. Ziel müsse es sein, die Rehpopulation auf einer ökonomischen und sozialen Tragfähigkeit zu halten, so dass der Wald wachsen kann und es den Rehen gut gehe.

In Beantwortung der Eingangsfrage schloss Dr. Hudler ihren lebendigen Vortrag mit dem Fazit: Das Reh ist weder Bambi noch Bäumchenfresser – es ist eine uralte faszinierende Tierart mit einem hohen Lernvermögen, einer großen Plastizität und einen großen Einfluss auf unser Ökosystem.

Die interessierte Fragerunde im Anschluss zeigte, dass das Thema Management der Rehpopulation für den Nationalpark und die angrenzenden Bereiche von großer Bedeutung und eine Vertiefung des Themas willkommen ist.

Die Verbindung von Wissenschaft und Jagdpraxis machte den Vortrag von Frau Dr. Hudler zu einem sehr erkenntnisreichen Abend.

Wer die Informationen nachlesen möchte, kommt unter folgendem Link zur Powerpoint-Präsentation des Vortrags von Dr. Martina Hudler: Bambi oder Bäumchenfresser – Vortragsunterlagen

Zur Videoaufzeichnung führt dieser Link: Bambi oder Bäumchenfresser – das Reh!

 

Die nächste Nationalpark-Akademie findet am 23. November in der Nationalpark-Kirche in Neuhütten-Muhl statt und hat zum Thema:  10 Jahre Kirche im Nationalpark – Bereichernder Dialog zwischen Schöpfung und Spiritualität