Schafe zur Beweidung in der Pflegezone des Nationalparks unterweg
Auf den Offenlandflächen im Nationalpark Hunsrück-Hochwald bei Thranenweier ist aktuell eine Schafsherde zur Flächenbeweidung im Einsatz.
In diesen besonderen Bereichen in der Nationalpark-Pflegezone sind wertvolle Lebensraumtypen wie Borstgrasrasen oder Pfeifengraswiesen beheimatet. Man hat hier in den letzten Jahren bereits bodenschonende Techniken bei der Mahd mit Maschinen eingesetzt. In diesem Sommer versucht man es erstmalig mit Schafsbeweidung. Durch die Schafe findet, im Gegensatz zum Maschineneinsatz, eine noch geringere Bodenverdichtung auf der Gesamtfläche statt. Allerdings verursachen die Tiere an vielen Stellen durch ihren Huftritt offene Bodenstellen. Diese sind wiederum essenziell für die Keimung besonderer Pflanzenarten, wie der Arnika (Arnica montana), auch Bergwohlverlei genannt. Schafe können die Artenvielfalt fördern, da sie konkurrenzstarke Grasarten reduzieren und im Gegensatz zum Schnitt von Mähwerken auch weniger Kleintiere töten. Die Herde trägt in ihrer Wolle und über den Kot Pflanzensamen von einer Fläche zur anderen und trägt damit potenziell auch zur Ausbreitung besonderer Pflanzenarten bei. Ihre Exkremente können zudem als Nahrungsgrundlage für seltene Dungkäfer und weitere Insekten dienen, welche wiederum Nahrungsgrundlage vieler Vögel sind.
Der Nationalpark hat im Kern das Motto Natur Natur sein lassen. In seinen Wildnisbereichen steht der Verzicht auf Managementeingriffe im Vordergrund. Die Natur wird sich selbst überlassen. Es gibt im Nationalpark aber auch dauerhafte Pflegezonen, in denen aktiv eingegriffen werden muss, beispielsweise zum Schutz der Offenlandflächen, welche nach europäischem Recht zu erhalten sind. Diese Bereiche haben ebenfalls einen hohen naturschutzfachlichen Wert. Ihr Zustand muss aufgrund ihrer Funktion als Lebensraum für angepasste sowie seltene Tier- und Pflanzenarten erhalten werden.
So gibt es beispielsweise die Wiesen in Thranenweier, mit Bulten der gelben Wiesenameise. Diese sanften grünen Kuppeln, die von Gras überwachsene Erdhügel der Ameisen, mussten zum Schutz dieses Lebensraums bislang von Hand von den Rangerinnen und Rangern des Nationalparks gepflegt werden. Der Einsatz der Schafe könnte hier eine bessere Lösung darstellen.
Anne Speicher ist in der Nationalparkverwaltung für die Pflege der Offenlandflächen verantwortlich. Sie hat mit der Schafsherde von Lisa Vesely eine traditionelle Wanderschäferei für den Pflegeeinsatz im Nationalpark gewinnen können.
Lisa Vesely hat rund 800 Schafe, die eine gezielte Gebrauchskreuzung aus Merinolandschafen sind. Hauptsächlich ist Vesely zur Beweidung von Pachtflächen, im Trierer Raum mit ihrer Herde unterwegs. In diesem Jahr ist sie nun zum ersten Mal mit ihren Tieren auf sensiblen Kleinflächen im Nationalpark.
Vesely betreibt eine traditionelle Hüteschäferei: Die Herde wird tagsüber aktiv und schonend durch den gezielten Einsatz von Altdeutschen Hütehunden geführt. Zu ihrem Hundeteam gehören zwei Pudel, ein Tiger und zwei Strobel. Nachts sind wolfsabweisende Zäune im Einsatz. Eine Kamera nimmt die Herde auf.
Anne Speicher ist gespannt auf das Ergebnis der Beweidung: „Bislang sind wir mit den Maschinen nicht überall hingekommen. Einige Bereiche, insbesondere die Pfeifengraswiesen sind sehr nasse Standorte. Ich bin gespannt, ob die Schafe das hinbekommen. Auf jeden Fall freue ich mich, dass es geklappt hat und die Schafsherde jetzt da ist. Wir werden danach prüfen, ob wir diese Art der Offenlandpflege dauerhaft einplanen können.“







