Sie sterben schneller als sie rennen können – Einblicke in das Management der Afrikanischen Schweinepest in Rheinland-Pfalz
Die letzte Nationalpark-Akademie vor der Sommerpause fand nochmals im großen Vorlesungssaal des Umwelt-Campus Birkenfeld statt. Dr. Jan Rommelfanger vom Nationalparkamt begrüßte die Referentin Jana Dietrich. Sie ist Wildbiologin und an der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft (FAWF) von Landesforsten Rheinland-Pfalz im Bereich Ökologische Waldentwicklung tätig. Landesforsten ist in Amtshilfe für die Seuchenbekämpfung zuständig und Jana Dietrich steht mit an vorderster Front bei der ASP-Eindämmung in Rheinland-Pfalz und konnte aus Sicht der Planung sowie der Umsetzung der Maßnahmen berichten.
Ursprünglich kommt diese bis jetzt unheilbare Virusinfektion, wie der Name vermuten lässt, aus Afrika und wird dort von Zecken übertragen. In den 50er Jahren gab es temporäre Ausbrüche aus Osteuropa kommend, seit 2010/2014 sind in Europa mehrere Länder betroffen und 2020 war der erste ASP-Ausbruch in Deutschland, 2021 erstmals in einem Hausschweinbestand. Am 8. Juli 2024 ist die Seuche erstmals in Rheinland-Pfalz aufgetreten. Da der Virus für den Menschen ungefährlich ist, wird nicht darauf getestet und mit ASP kontaminiertes Fleisch kann in den Verzehr kommen. Wirft nun jemand ein kontaminiertes Schinkenbrot unachtsam weg und dies wird von einem Wildschwein gefressen, nimmt die Seuche ihren Lauf. Weitere indirekte Übertragungswege sind z.B. auch Werkzeuge, forstliche Maschinen oder Schuhe.
Laut Dietrich entwickle ein infiziertes Schwein innerhalb von zwei bis 15 Tagen Symptome, die sich wie eine Fiebererkrankung äußern. Die Schweine sind schlapp, suchen Wasser, bewegen sich nicht mehr und sterben relativ schnell. ASP ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Sie befällt ausschließlich Schweine und stellt für andere Tiere und Menschen keine Gefahr dar. ASP wird als Seuche eingestuft, da sie extreme wirtschaftliche Schäden für die Schweinehaltungsbetriebe und massive Einschränkungen für die Landwirtschaft und Forstwirtschaft verursacht.
Wird ein totes Wildschwein gefunden, ist der erste Schritt herauszufinden, in welchem Gebiet die Seuche ist. Ein sofortiges Jagdverbot in dem betroffenen Gebiet, soll verhindern, dass die Wildschweine beunruhigt und somit bewegt werden und das Seuchengeschehen sich ausbreitet. Im nächsten Schritt erfolgt eine gezielte Jagd, um infizierte Wildschweinbestände zu reduzieren. Eine weitere Maßnahme ist das Ziehen von Elektrozäunen oder Festzäunen, damit sich die Schweine nicht mehr weiterbewegen können.
Wichtig ist die Fallwildsuche mit Hunden und Drohnen, da ein Kadaver noch sehr lange infektiös ist. Die Drohnenpiloten sind Jagdscheininhaber, damit sie das Wild richtig einordnen können. Sie fliegen nachts, so kann der Wildschweinbestand leichter erkannt werden. Die Drohne zeigt nur warme Kadaver in nicht so dicht bewaldeten Gebieten, wohingegen die Hunde auch kalte Kadaver oder einzelne Knochen in stark bewaldeten Gegenden aufspüren können. Die Maßnahmen finden in Zusammenarbeit mit der Jägerschaft statt.
Zum Ansteckungsverhalten der Wildschweine galt bisher die Erkenntnis, dass sich Wildschweine von infizierten Kadavern eher fernhalten. Ein neues Video zeigte nun anderes: Gefilmt wurde ein Familienverband, in dem das Mutterschwein verendet war und die Frischlinge lange Zeit versuchten, die regungslos auf der Erde liegende mit ihren Schnauzen wieder zum Aufstehen zu bewegen. Es ist anzunehmen, dass sich auf diese Weise alle infiziert haben und verendet sind.
Frau Dietrich führte ebenfalls aus, was Privatpersonen unterstützend tun können, um die Seuche in Schach zu halten. Dies wäre u. a.: tote Wildschweine melden, Leinenpflicht und Wegepflicht beachten, keine Essensreste wegwerfen.
In den aktuellen ASP-Zonen lägen viele Naturschutzgebiete. Dies würde bei den Maßnahmen berücksichtigt, doch wenn es hart auf hart käme, ginge die Seuchenbekämpfung vor, betonte Jana Dietrich. Deshalb: ASP-Barrieren und die Kadaversuchen seien nicht vermeidbar. Am Ende des Tages ist es ein Abwägen zwischen Naturschutz und Seuchenbekämpfung, was ist nötig und was ist möglich. Wichtig sei das Totfundmonitoring. So wurde in Rheinland-Pfalz der letzte Kadaver im August 2025 gefunden und wir blickten im Moment auf ein ruhiges Seuchengeschehen.
Dr. Jan Rommelfanger bedankte sich bei den Teilnehmenden für ihr starkes Interesse, das sich in den zahlreichen Fragen zeigte, und bei Jana Dietrich für ihre fundierten Ausführungen und die zur Verfügung gestellte Expertise.

