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Effiziente Jagd ohne Beunruhigung von Rotwild – Ein Vortrag aus der Jagdpraxis für die Jagdpraxis

Die Nationalpark-Akademie im April fand letzten Montag im großen Vorlesungssaal des Umwelt-Campus Birkenfeld statt. In seinem auf eigener Praxis-Erfahrung basierenden Vortrag führte Berufsjäger und Revierjagdmeister Daniel Bastian aus, welche Strategien langfristig zu Jagderfolg und einem gesunden Wildbestand im Revier führen können und wie entscheidend dafür auch die zwischenmenschliche Verständigung aller Beteiligten ist.

Dr. Martin Mörsdorf, Leiter der Abteilung 3 des Nationalparkamtes und verantwortlich für die Bereiche Wildtiermanagement und Forschung, begrüßte den Referenten und die über 200 Teilnehmenden, viele davon Jäger, aber auch zahlreiche Interessierte ohne Jagdschein. Für Mörsdorf ist eine störungsarme Jagd im Rahmen des Wildtiermanagements im Nationalpark sehr wichtig. Für das Schutzgebiet ergeben sich zum Teil andere Herausforderungen als in forstlich genutzten Wäldern. Die Akademie ist aber ein guter Ort, neue Impulse zu erhalten und in den Austausch mit den Kollegen zu gehen.

Berufsjäger und Referent Daniel Bastian ist verantwortlich für zwei Reviere von insgesamt 1400 Hektar und führt darüber hinaus eine Jagdschule. Er orientiert sich bei seiner Jagdstrategie an den Lebensraumansprüchen des Rotwildes. Zentral ist die Lebensraumqualität, welche maßgeblich durch drei Faktoren bestimmt wird: Ruhe, Äsung und Einstand. In seinem Vortrag macht Bastian klar, dass Jagd für ihn kein Hobby ist, sondern eine verantwortungsvolle Aufgabe, bei der eine ethische Jagd die Wald- und Feldschäden in einem erträglichen Maß hält.

Wichtig für eine effektive Jagd ist laut Bastian die Vorarbeit, und zwar in Form einer Dokumentation des Ist-Zustandes im Revier. Konsequent durchgeführt, habe man nach zwei Jahren einen guten Überblick über den jeweiligen Bestand in einzelnen Bereichen des Jagdreviers. Nach dieser Inventur ist es entscheidend einen Soll-Zustand für die nächsten fünf oder zehn Jahre festzulegen. So kann Erfolg oder Misserfolg messbar werden. Das Raumnutzungsverhalten des Rotwilds muss ebenfalls dokumentiert werden, um möglichst Störungsarmut bei der Jagdausübung zu gewährleisten. Bei falscher Bejagung kann wenig Rotwild mehr Schäden verursachen, als viel Rotwild bei störungsarmer Bejagung.

Stellschrauben für das Erreichen des Soll-Zustandes sind für Bastian u.a. Schwerpunktbejagung an schadgefährdeten Flächen, ein weitgehender Verzicht auf die Nachtjagd, Lenkung von Wild und Tourismus, effektiv durchgeführte Bewegungsjagden, Gruppenansitze, Intervall-Jagd sowie Kenntnis des Raumnutzungsverhaltens des Rotwilds und des territorialen Rehwilds.

Er verzichtet konsequent auf die Jagd an Äsungsflächen und setzt den Fokus auf Schwerpunktbejagung der jeweiligen Wildart, wo diese Schäden verursacht. Das sind für das Rot- und Rehwild vor allem Verjüngungsflächen im forstlichen genutzten Wald.

Bastian ging ebenfalls auf die Bewegungsjagd ein. Diese erfordert einen hohen Aufwand, der gerechtfertigt sein sollte durch die Zahl der erlegten Tiere. Vor allem muss für ihn eine Bewegungsjagd ethisch vertretbar sein, das bedeutet u.a. keine Bewegungsjagd im Januar. Er empfiehlt, sich auch bei der Bewegungsjagd auf die Jugendklasse zu konzentrieren, Kälber, Kitze, Frischlinge.

Die Jagd ist heute hochtechnisiert und es gibt bundesweit 470 000 Jagdscheininhaber, doch trotz der Technik werde aus Sicht von Bastian häufig zu ineffektiv gejagt oder qualitativ schlecht gejagt. Sehr sinnvoll sei auch das gemeinsame Jagen, doch das Miteinander unter den Jägern fehle oft.

In der anschließenden Diskussion ging es u.a. darum, dass der Nationalpark zunehmend „unbejagbar“ wird, da die Wildnisbereiche voranschreiten und, auch aus Sicherheitsgründen, nicht mehr begehbar sein werden. Wo möglich, sollten hier Bewegungsjagden in guter Abstimmung mit den Nachbarn stattfinden. Wo das nicht möglich ist, sind Sammelansitze zunehmend das Mittel der Wahl zur Rotwildbejagung.

Die Frage, nach Methoden, mit denen die Problematik des Wilddrucks von Rot- und Schwarzwild angegangen werden kann, zeigte vor allem eine Strategie: Nur im Austausch und Miteinander aller Beteiligten kann es gemeinsam in die richtige Richtung gehen.