60 Gäste bei der Nationalpark-Akademie zum Thema „Spirituelle Orte: Zur religiösen Bedeutung von Wäldern“
Der Abend fand diesmal in der Nationalpark-Kirche in Neuhütten-Muhl statt: Prof. Isabel Laack inspirierte die Akademie-Besucher*innen in der März-Veranstaltung letzten Montag, den Wald vor ihrer Tür mit neuem Wissen zu betrachten.
Um keine falschen Erwartungen zu wecken, betonte Prof. Laack zum Einstieg, dass Religionswissenschaft nicht Theologie sei, sondern eine Kulturwissenschaft wie Ethnologie. Die wissenschaftliche Disziplin wirft einen wertneutralen, konfessionsunabhängigen Blick auf das Thema anhand empirisch fassbarer Fakten und Daten. Im Zentrum stehen alle Religionen weltweit.
Prof. Isabel Laack. lehrt an der Universität Tübingen über europäische Gegenwartsreligiosität und indigene Traditionen in Mittel- und Nordamerika. In einem spannenden Vortrag stellte sie den Zuhörer*innen unterschiedlichen Zugänge zum Wald vor.
Die historische und systematische Betrachtung der Religionsgeschichte dient u.a. dazu, Alternativen zu den gegenwärtigen Lebensformen ins Bewusstsein zu bringen. Mit der religiösen Bedeutung von Wäldern in der Religionswissenschaft hat sich erstmals Prof. Laack beschäftigt.
Der Vortrag spannte einen Bogen von der Natur- und Menschbeziehung in indigenen Kulturen, den Germanen und Kelten und ihrer engen Beziehung zum Wald und Bäumen, Neopaganismus, dem Christentum und Heiligen Stätten bis zu neuen Strömungen wie Waldbaden und dem neuen Trend zu Bestattungswäldern.
So gibt es keine ursprünglichen Wälder mehr, selbst im tiefsten Amazonas-Urwald finden sich Überreste von städtischen Besiedelungen, der Mensch hat hier schon seit langer Zeit in die Natur eingegriffen. Prof. Laack erläutert, dass das heutige Konzept Natur in der Industrialisierung entstanden ist. In diesem Zeitalter hat der Mensch der Natur seine Prägung aufgedrückt – und seine Lebensgrundlage stark gefährdet.
Grundsätzlich bewegt sich die Natur-Mensch-Beziehung im Spannungsfeld, den Wald als etwas Schönes, Inspirierendes und Paradiesisches zu betrachten oder ihn als gefährlich und lebensbedrohlich zu empfinden. Wodurch welche Prägung im Menschen ausgelöst wird, lässt sich nicht abschließend festlegen, es spielen wohl gesamtgesellschaftliche und individuelle Faktoren eine Rolle. Zu beobachten ist aktuell eine zunehmende Sehnsucht des Menschen nach Naturerlebnissen.
Dr. Jan Rommelfanger, Leiter der Abteilung 2 im Nationalparkamt, bedankte sich für den spannenden Vortrag, der einige Anknüpfungspunkte zur Region und zum Nationalpark bot, und betonte zum Abschluss, dass das Schaffen von Naturerfahrungen auch ein Anliegen des Nationalparks Hunsrück-Hochwald sei, dies jedoch immer dem obersten Ziel der Nationalparke untergeordnet bleibt, Natur zu schützen und Naturprozesse ungestört ablaufen zu lassen.




